Kurzgeschichte

[Kurzgeschichte] Weihnachten mal anders – Teil 2

Guten Morgen!

Ich hoffe, ihr hattet alle einen schöneren Heiligabend als Melli und Derek im gestrigen ersten Teil der Kurzgeschichte “Weihnachten mal anders”. Wie ihre Geschichte weiter und zuende geht, könnt ihr nun lesen!

Viel Spaß dabei!


 25. Dezember 2017

»Danke für Ihren Einkauf!«, rufe ich der älteren Frau hinterher. »Und schöne Feiertage!« Sie antwortet nicht, reagiert nicht einmal. Hach, da weiß man direkt, für wen man diesen Job macht.

Zumindest ist meine Schicht in einer halben Stunde vorbei. Irgendwie kann ich es kaum erwarten, nach Hause zurückzukehren und mit Derek weiter dieses Zombieapokalypse-Spiel zu zocken.

Unglaublich wie ein einziger Abend alles verändern kann … Egal, wie sehr die unfreundlichen, gestressten Kunden mich heute an den Rand der Verzweiflung zu bringen versuchen, ich lächle und bin ganz entspannt.

»Wow. Du hast ja heute gute Laune«, bemerkt auch Tina und nippt an ihrer Tasse mit irgendeinem Weihnachtstee, der verführerisch nach Zimt duftet.

»Es ist einfach ein wunderschöner Tag«, lasse ich sie wissen und grinse sie breit an.
»Wow. Deine Euphorie möchte ich haben«, murmelt sie und lässt ihren Blick dabei durch den Laden schweifen. »Uhhhh, heißer Kerl auf zwei Uhr.« Schnell stellt sie die Tasse beiseite, richtig ihr Haar und setzt ihr schönstes Lächeln auf, während ich mich kichernd nach ihr und besagtem heißen Kerl umdrehe.

Aber was ich sehe, verschlägt mir beinahe den Atem. Was macht Derek denn hier? Ich habe ihm nie gesagt, in welcher Buchhandlung ich arbeite und er sieht mir auch nicht aus wie die typische Leseratte, so dass er durch Zufall hier sein könnte.

»Hi«, begrüßt Derek erst Tina, doch dann fällt sein Blick auf mich und er lächelt. »Hey, Mel.«

Tina ist für einen Augenblick geschockt und ihre Blicke durchbohren mich förmlich, als wollte sie mich fragen, wieso ich ihr nie erzählt habe, dass ich so einen heißen Typ kenne.

»Sie kennen sich?«, fragt sie dann aber ganz ruhig.

»Das ist mein Mitbewohner«, lasse ich sie wissen. »Was machst du hier, Derek?«
»Ich suche ein Buch und es stellt sich heraus, dass es nur eine Buchhandlung in der Stadt gibt, die heute geöffnet hat.« Verschmitzt grinst er mich an. »Würdest du mich vielleicht beraten?«

Obwohl Tina mich ansieht, als wollte sie mich mit ihren Blicken grillen, nicke ich und komme aus der Kasseninsel hervor, während sie wieder ihren Platz hinter der Kasse einnimmt.

»Weshalb bist du wirklich hier?«, will ich von Derek wissen, während ich ihn von der Kasse wegführe.

»Genau deswegen. Ich suche ein Buch. Kannst du mir was empfehlen?«, wiederholt er und grinst. »Es ist für eine Freundin. Leider habe ich keine Ahnung, was sie so liest. Ich schätze mal, irgendwas in Richtung Romantik wird es tun. Vielleicht ein wenig weihnachtlich. Sie mag Weihnachten total, frag mich nicht wieso.«

Damit lässt sich arbeiten. Zielsicher steuere ich das entsprechende Regal an und stelle ihm die Neuerscheinungen der weihnachtlichen Romanzen vor. Einige davon habe ich gelesen, aber noch lange nicht alle.

»Und dieses hier kann ich noch empfehlen. Schau mal, das Cover glitzert sogar ein wenig.« Hach, das hätte ich selbst gerne. Würde sich super zu meinem ersten Band der Reihe machen.

»Hast du es gelesen?«, fragt Derek, doch ich muss leider vereinen.

»Letztes Jahr ist der erste Band der Reihe erschienen. Den habe ich. Den neuen leider noch nicht. Aber die Autorin hat einen wirklich sehr schönen Stil und man kann das Buch auch unabhängig von dem ersten Band lesen«, erkläre ich und hoffe, dass ich ihn damit überzeugen kann. Wer auch immer die Glückliche ist, die das Buch bekommt, wird sich sicher sehr freuen.

Derek grinst. »Dann nehme ich das. Kannst du es mir auch einpacken?«

»Aber klar doch.«

Fünf Minuten später überreiche ich ihm das fertig verpackte, perfekte Weihnachtsgeschenk. »Lass mich wissen, ob es ihr gefallen hat.«

»Das werde ich bestimmt«, verspricht er mir. »Wann hast du eigentlich Feierabend?« Etwas irritiert von dem plötzlichen Themenwechsel sehe ich auf die Uhr.

»In zwanzig Minuten.«

»Okay. Solange werde ich wohl noch im Einkaufszentrum sein. Treffen wir uns bei dem großen Weihnachtsbaum?«

Nun bin ich noch verwirrter, nicke aber und kann nicht anders als mich tierisch darauf zu freuen. Die nächsten zwanzig Minuten bis meine Ablöse erscheint, ziehen sich allerdings wie Kaugummi. Ich verpacke noch drei Bücher als Geschenke und erkläre einem Mann, dass ich ihm leider nicht sagen kann, wie die Reihe heißt, die seine Frau so liebt, wenn er mir nicht mal einen Anhaltspunkt liefern kann. Oh, und ob es von dieser Reihe einen neuen Band gibt, kann ich ihm leider auch nicht beantworten.

Aber dann ist endlich Feierabend. Ich packe meine Sachen zusammen, piepse mich auf der Zeitschaltuhr aus und renne förmlich zum großen Weihnachtsbaum in der Mitte des Einkaufszentrums. Pünktlich auf die Minute findet sich auch Derek dort ein.
»Geschafft!«, freue ich mich. »Jetzt will ich nach Hause.«

Derek lacht. »Kleinen Moment noch. Die Atmosphäre hier ist gerade richtig.«

Atmosphäre? Ich sehe mich um. Zugegeben, der künstliche Schnee auf dem Boden, der Weihnachtsbaum, unter dem sich allerlei künstliche Geschenke befinden, und die Krippe auf der anderen Seite des Weges. Ja, es ist schön. Aber richtig? Wofür?

Eine Braue erhoben, sehe ich ihn unschlüssig an. »Was meinst du?«

Da holt er das gleiche Geschenk hervor, was ich vorhin noch für ihn eingepackt habe. »Es ist nur eine Kleinigkeit, aber ich hoffe, du freust dich darüber.«

Ich bin perplex, sprachlos und sicher noch eine ganze Menge weiterer Adjektive, die ich gerade nicht benennen kann, als ich das Geschenk annehme und nicht ganz so vorsichtig von der Verpackung befreien. Auch wenn das Geschenk darunter keine große Überraschung für mich ist, kann ich nicht anders, als Derek dafür um den Hals zu fallen.

»Danke«, wispere ich in sein Ohr. »Aber wofür …?«

»Es ist schließlich Weihnachten«, antwortet er, da habe ich mich gerade so weit von ihm entfernt, dass wir uns ansehen können. Seine blauen Augen funkeln förmlich, wenn er lächelt. Das ist mir vorher nie aufgefallen, aber gerade jetzt ist es unmöglich, es nicht zu sehen.

»Entschuldige«, sagt er dann.

»Wofür?«

Ich bekomme keine Antwort, zumindest keine ausgesprochene, aber im nächsten Moment spüre ich seine Hände an meine Taille und seine Lippen auf meinen. Und ich schmelze dahin. Der Kuss schmeckt nach Zimt und Plätzchen und nach so viel mehr.

Er schmeckt nach Weihnachten.

Ich liebe Weihnachten.

~ Ende ~


Hach, ist das nicht schön?

Ich hoffe, ihr habt die Kurzgeschichte genossen. Sagt mir eure Meinung gerne in den Kommentaren! Ich bin sehr gespannt.

Und nun wünsche ich euch noch schöne Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr.Neue Signatur

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